Luftpumpe


Herausgeberwechsel und Radikalisierung

 

Die 'LP' trennte sich organisatorisch Anfang 1981 vom bisherigen Träger der Zeitschrift, dem 'CeBeeF-Köln', und gründet den 'Verein zur Förderung der Emanzipation und Integration Behinderter', der die Zeitung bis zu ihrem Übergang in 'die randschau' trug. Erklärt die Redaktion noch im Editorial der Nr. 1/1981 den Wechsel des Herausgebers noch etwas hölzern mit den Worten: „Der Club Behinderter und ihrer Freunde haben ihre Organisationen getrennt, ohne in ihrem Bemühen und Verständnis getrennt zu sein. Die Ablösung vereinfacht besonders die Buchführung und macht sie für uns klarer. Sie bringt uns unserer Intention näher, für alle Selbsthilfeorganisationen im gleichen Maße offen zu sein. ...“, wird den Leserinnen der eigentliche Grund für die Trennung vorn CeBeeF erst in der Ausgabe Nr. 5/1983, im bereits erwähnten Rückblick mit den Worten erklärt: „Zunächst waren wir eine Arbeitsgruppe des Kölner CeBeeF's, mit dessen Mitteln wir die Anfangskosten tragen konnten. Aber wie die Zeiten eben waren, wir waren einem großen Teil des Clubs zu radikal. Man wollte es sich nicht mit den Behörden verscherzen. Die Trennung war unausweichlich. Die Verbindung mit dem CeBeeF in Köln riß zwar nie ab, aber beide Gruppen sind sich auch nie ganz grün geworden.“

 

Das Experiment 'Regionalredaktionen' scheiterte bereits nach einem Jahr aufgrund personeller und finanzieller Überforderung. Lothar Sandfort bemerkt dazu in o.g. Nachbetrachtung: „Jede Regionalredaktion bestimmte Inhalte und Gestaltung ihrer Regionalredaktion selbst. Die Gestaltung der überregionalen Seiten fand zwar in Köln statt, aber da gab es auch die Idee, nach einer Stabilisierungsphase das rotieren zu lassen. Die Inhalte des überregionalen Teils und das Gesamtkonzept lagen in den Händen des 'Zeitungsrates', ein sich alle paar Monate treffendes Gremium aus Mitgliedern aller Regionalredaktionen. Die dort getroffenen Entscheidungen mußten aber, bevor sie bindend wurden, von der Basis, d.h. der Mehrheit der Regionalredaktionen abgesegnet werden. Es lag nicht am inhaltlichen Gefüge des Konzeptes, daß das nicht klappte, es lag an seinen Konsequenzen. Statt der bis dahin üblichen 28 Seiten mußten nun 52 erstellt, gedruckt und bezahlt werden. D.h. die Produktionskosten verdoppelten sich fast. Dafür mußte vermehrt verkauft werden, mehr als natürlicher Bedarf vorhanden war. Der ... Frust bei einem solchen Verkauf gesellte sich zu dem Frust, der entstand durch das Ungleichgewicht von Arbeitsaufwand und möglichem ehrenamtlichen Engagement. Arbeit, für die man/frau nicht bezahlt wird, machen Frau und Mann nur, wenn sie etwas anderes davon haben. Also zumindest mehr Lust als Frust. Kommt das nicht dabei raus, bleiben nur noch die, die - sagen wir - eine „fanatische Beziehung“ zum Sinn des Projektes haben. Zuerst kapitulierte die Regionalredaktion in Berlin, dann die im Rhein/Main Raum vor den Schwierigkeiten. Die Anpassung der Arbeit an die Realitäten kam nicht früh genug und dann zu schnell, Schaden blieb. Alles in allem lag der Fehler darin, daß das Regional-Konzept, das ich eigentlich immer noch gut finde, viel zu früh und unter Mißachtung der finanziellen und personellen Möglichkeiten durchgezogen wurde.“ (ebd. S. 7)