Krüppel-Zeitung


1980/81 bestimmen die Proteste zum UNO-Jahr der Behinderten (von der 'KrüZ'-Redaktion umgehend umgemünzt zum 'UN-Jahr der Behinderer' die Diskussionen innerhalb der Zeitung. Hier werden die Aktionen nachbereitet und aufgearbeitet, Defizite in der Vorbereitung, bei der Organisation und Durchführung benannt. Auch kommt es hierbei wiederum zu Auseinandersetzungen um Alleingänge der Identifikationsfiguren der 'Scene' (z.B. die 'Krüppelschläge' für den Bundespräsidenten Karl Carstens). Die 'KrüZ' prägt den Slogan 'Jedem Krüppel seinen Knüppel' und ruft zum aktiven Widerstand gegen das UNO-Jahr auf. Die offizielle bundesweite Auftaktkundgebung in Dortmund wird durch ein Bündnis der Krüppelgruppen mit dem emanzipatorischen Teil der Behindertenbewegung empfindlich gestört, aber auch in den verschiedenen Städten finden Widerstandsaktivitäten statt, die von der Redaktion dokumentiert und zur Nachahmung empfohlen werden.

 

Symptomatisch für die Zusammenarbeit zwischen den Krüppelgruppen und den Initiativen aus dem sog. emanzipatorischen' Spektrum der Behindertenbewegung, sind die Auseinandersetzungen zum Krüppeltribunal (s. Kapitel 3), die sich ebenfalls in der 'KrÜZ' wiederfinden.

 

Mit der Teilnahme der Redaktion der 'KrüZ' und anderen VertreterInnen der Krüppelgruppen mit eigenen Veranstaltungen am 'Gesundheitstag 1981' in Hamburg beginnt eine Anlehnung an die alternative Gesundheitsbewegung und eine Kooperationsarbeit mit den sog. 'Gesundheitsläden' (medizinkritisches, alternatives Spektrum). Während Teile der Hamburger Redaktion hier die verstärkte Zusammenarbeit suchen und neue Kontakte knüpfen, befindet sich die Bremer Gruppe im Streit mit den städtischen Gremien und versucht, regionale Krüppelarbeit zu leisten, um konkrete Verbesserungen für behinderte Menschen in Bremen durchzusetzen. Diese Einbindung in die regionalen Strukturen zeitigt, neben persönlichen Auseinandersetzungen innerhalb der Redaktion, Konsequenzen für die Arbeit an der 'KrüZ'. Ab der Ausgabe Nr. 3/82 wird zunächst die organisatorische, schließlich auch die redaktionelle Arbeit an der 'Krüppelzeitung' ganz nach Hamburg verlagert.

 

Das Scheitern der 'Krüppelgruppen' wird schließlich auch zur thematischen Wende innerhalb der 'Krüppelzeitung'. Stützte sich ein Hauptteil der Berichterstattung des Blattes bis Anfang 1983 noch auf die Aktivitäten der sog. Scene, nimmt ab Anfang 1983 die Darstellung der 'technologischen Bedrohung' (Geschichte und Gegenwart der Humangenetik, der Sterbehilfe- und Sterilisationsdiskussion, sowie der Entwicklung der Gentechnologie) einen immer größer werdenden Teil der 'KrüZ' ein.