Luftpumpe

Zeitung zur Emanzipation Behinderter und Nichtbehinderter 

„Mut sollen wir machen. Das wollen wir auch, den Mut,

die Hand wegzuschlagen, die uns barmherzig streicheln will, den Mut, die Almosen in den Gulli zu werfen, dem Helfer auch zu widersprechen, wenn der mal wieder weiß, was wir brauchen, den Mut, Wege zu suchen, aus den Heimen zu kommen, den Mut, Eltern zu verlassen, die uns zum ewigen Kind machen, den Mut, seine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.“

(L. Sandfort, Luftpumpe Nr. 4/1981, S. 21)

 

Luftpumpe 1978 03 00 00Die Kölner Zeitschrift 'LUFTPUMPE' ('LP') erschien zum ersten Mal im März 1978. Als 'Zeitung für Behinderte und Nichtbehinderte' gegründet, postulierte sie von Beginn an den Anspruch des 'Wir machen es gemeinsam' und folgte darin der Ideologie der 'Clubs Behinderter und ihrer Freunde' (CBF/CeBeeF)9. Das erste Erscheinen der 'LP' wurde durch die Kölner 'Stadt-Revue' (einem aus der Alternativscene Kölns kommenden Kommunalblatt) in Fragen der Gestaltung und der technischen Organisation tatkräftig personell und ideell unterstützt. ('LP' Nr. 2/1978, S. 2) Die Redaktion bestand explizit aus Behinderten und Nichtbehinderten (zumeist Studentinnen und Studenten), die den postulierten Anspruch des 'Miteinanders' in der Stadt Köln verbreiten, innerstädtische behindertenfeindliche Missstände aufzeigen und den Behinderten in der Stadt Köln eine Stimme geben wollten. Bereits in der ersten Ausgabe versuchte die 'LP' diesem regional eng umgrenzten Anspruch gerecht zu werden, indem sie über die Ergebnisse einer Umfrage des 'CeBeeF-Köln e.V.' unter 200 Kölner Behinderten zum Sonderfahrdienst der Stadt Köln, dem sog. „BEHINDERTENTAXI“, berichtete, dabei bestehende Mangel beschrieb und Forderungen entwickelte. Die 'LUFTPUMPE' wurde mit diesem regionalen Bezug schnell zu einer in Köln bekannten und unter behinderten Menschen relativ weit verbreiteten Zeitung.

 

Die Namensgebung der Zeitung 'LUFTPUMPE', erklärten die fünf Redakteure bereits in der Nullnummer: Der Name steht als Symbol für das 'sich Luft machen' und „..alte Schläuche zum Platzen bringen.“ „DIE LUFTPUMPE soll keinen Wind machen und keine Luftschlösser bauen, aber (z.B. Vorurteilen) den Wind aus den Segeln nehmen. Sollte DIE LUFTPUMPE von etwas Wichtigem Wind bekommen, gibt sie den/das weiter und wird auf das hinweisen, was bedrohend in der Luft liegt. Mit etwas Geschick kann man hier und da sogar mit der LUFTPUMPE Dampf machen.“ (L. Sandfort, LUFTPUMPE Nr. 0/1978, S. 2) Die LP' zielte qua Anspruch auf die körperbehinderten Menschen in Köln und Umgebung ab; hier und im Ansprechen aufgeschlossener nichtbehinderter Menschen lag das angestrebte Leserinnenpotential der Zeitschrift.

 

Luftpumpe 1978 04 01 00Die 'LUFTPUMPE', die im März 1978 bereits mit einer (angegebenen) Auflage von 1.500 Exemplaren erschien, erreichte zu ihren besten Zeiten (um das Jahr 1981) mit 4 Regionalausgaben eine Gesamtauflage von im Impressum angegebenen 6.000 Exemplaren. Sie erschien bis zu ihrem Übergang in die neue Zeitschrift 'die randschau' 1985, mit elf Heften jährlich (mit einer Doppelnummer), die zumeist im Abonnement und nur zu einem geringen Teil im Buchhandel oder im Handverkauf ihre Leserinnen erreichte. Ebenfalls zu ihrer Blütezeit (1981), arbeiteten in den vier Regionalredaktionen (Rhein-Main, Köln, München, Berlin) 37 Mitarbeiter*innen am regelmäßigen Erscheinen der 'LP'. Herausgegeben wurde die Zeitschrift von der Nullnummer an zunächst vom Club Behinderter und ihrer Freunde (CeBeeF) in Köln und Umgebung e.V., dies änderte sich erst mit der offiziellen überregionalen Ausdehnung der LUFTPUMPE und der Gründung der Regionalredaktionen: Ab der 1. Ausgabe 1981 (4. Jg.) erschien als Herausgeber im Impressum der „Verein zur Förderung der Emanzipation und Integration Behinderter“ ebenfalls mit Sitz in Köln.